Veröffentlicht am: Do, 24. September, 2015

Daniela Schwarz: “Ich komme zurück in die Schweiz”

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Nach sechs Jahren und 23 Länderspielen ist Schluss: Daniela Schwarz gab den Rücktritt aus dem A-Nationalteam und wurde anlässlich des Testländerspiels gegen Dänemark verabschiedet. Im Interview mit dem Frauenfussball Magazin spricht die 30-jährige Zürcherin über ihre Erinnerungen, die WM in Kanada und wie es mit ihrer Karriere weitergeht.

Daniela Schwarz wird von SFV-Präsident Peter Gilliéron vor dem Testländerspiel gegen Dänemark aus dem Nationalteam verabschiedet. (Bild: Peter Ganser)

Daniela Schwarz wird von SFV-Präsident Peter Gilliéron vor dem Testländerspiel gegen Dänemark aus dem Nationalteam verabschiedet. (Bild: Peter Ganser)

 

Frauenfussball Magazin: Daniela Schwarz, das Spiel gegen Dänemark ist vorbei und nun auch Ihre Zeit im Nationalteam. Wie haben Sie die letzten Stunden als Nationalspielerin erlebt?

Daniela Schwarz: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe versucht, jeden Moment intensiv zu geniessen. Bei der Verabschiedung vor dem Spiel hatte ich feuchte Augen. Schön war auch, dass bis auf meinen Bruder, der in den Ferien war, meine ganze Familie im Stadion in Biel anwesend war.

Sie hatten den Rücktritt schon länger angekündigt. Trotzdem hat Sie Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg nochmals aufgeboten und gab Ihnen damit die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Kam während des letzten Zusammenzugs Wehmut auf?

Ein bisschen, ja. Es war schon so, dass ich die Trainings runtergezählt habe. Ich hatte aber keinen Druck mehr, musste mich nicht mehr aufdrängen und konnte befreit mittrainieren. Ich wollte es einfach nochmals geniessen, im Training Gas geben und Freude haben. Zudem konnte ich mich lange auf diesen Moment vorbereiten und fühlte mich bereit zu diesem Schritt. Aber es wurde mir in der letzten Woche bewusst, dass ich wohl viele Dinge vermissen werde.

Zum Beispiel?

Ganz sicher die Länderspiele. Da war jedes Einzelne speziell. Das Schweizer Wappen auf dem Trikot, die Hymne und bei den Heimspielen die vielen Fans. Das war immer speziell schön. Und natürlich auch das Team und der Staff, ich hatte eine super Zeit in der Nati.

"Der Stolz hat für mich immer überwogen." Daniela Schwarz ist mit ihrer Karriere zufrieden. (Bild: Seraina Degen)

“Der Stolz hat für mich immer überwogen.” Daniela Schwarz ist mit ihrer Karriere zufrieden. (Bild: Seraina Degen)

Erinnern Sie sich an ihr erstes Länderspiel?

Ja, das war 2009 am Holland-Cup. Wir kassierten gegen den Gastgeber eine 0:5-Niederlage, ich kam kurz vor Schluss rein.

Gab es ein besonders spezielles Länderspiel für Sie?

(Überlegt). Wenn ich mich entscheiden muss, dann das Spiel gegen Nordirland am Zypern-Cup 2012. Da habe ich mein erstes und einziges Tor für die Schweiz geschossen. Jehona Mehmetis Freistoss wehrte die Torhüterin noch ab, aber ich reagierte am schnellsten und konnte den Abpraller verwerten. Das war speziell und schön.

In Ihren 23 Länderspielen spielten Sie fünf Mal über 90 Minuten, ansonsten wurden Sie eingewechselt oder sassen auf der Bank. Schmälert das Ihre Bilanz oder sind Sie einfach nur stolz, dass Sie sechs Jahre Nationalspielerin waren?

Nein, das schmälert meine Bilanz überhaupt nicht. Klar, jede Spielerin möchte spielen, wenn sie dabei ist. Aber letztlich gehören alle zum Team, auch jene auf der Bank. Der Stolz hat für mich schon immer überwogen. Und manchmal muss man auch ehrlich sagen können, dass andere besser sind.

War die Teilnahme an der WM die Erfüllung ihres grossen Traums?

Ja, definitiv! Die WM war mein letztes grosses Ziel. Ich habe mich nach meinen Problemen mit dem Knie zurückgekämpft. Das war keine einfache Zeit und somit umso schöner, dass ich dabei sein konnte.

Was haben Sie von Kanada für Ihren weiteren Weg mitgenommen?

Vor allem die Eindrücke in den Stadien sind mir in bleibender Erinnerung geblieben. Das waren Highlights. Auch die Stimmung davor, Leute haben uns auf der Strasse angesprochen, fast schon bewundert. Ich bekam Nachrichten von Freunden, Bekannten und Fans aus der ganzen Welt. Das hat mich unheimlich gefreut und war auch der Lohn für die harte Arbeit vorher. Ich habe es an die WM geschafft, das kann mir niemand mehr nehmen, auch wenn ich sportlich nur eine Nebenrolle gespielt habe.

Auf Ihrem Blog haben Sie geschrieben, dass Sie gespürt haben, dass die Zeit für die Rückkehr nun reif sei. Wie spürt man das?

In sechs Jahren spielte ich nur sechs Mal für die Schweiz. Das ist ja nicht so viel. Nun bin ich auch die Älteste, auch wenn ich mich nicht alt fühle (lacht). Martina Moser hat im letzten Rotweiss-Magazin gesagt, dass sie die EM-Kampagne starten und auch durchziehen werde. Das wäre auch meine Überzeugung, es so zu tun. Wenn, dann richtig. Aber mir fehlte ehrlich gesagt im Nationalteam ein bisschen die Perspektive. Vielleicht hätte ich es noch hinauszögern können, aber irgendwann wäre der Punkt gekommen, wo mir jüngere Spielerinnen vorgezogen worden wären. Was ja auch nicht mehr als normal ist. Darum finde ich es ein Privileg, dass ich meinen Abschied selbst wählen konnte.

Mit Ihrem Club Valerenga in Norwegen haben Sie bis zum Saisonende am 7. November noch fünf Spiele. Und dann?

Die Verantwortlichen meines Clubs suchen zwar noch das Gespräch mit mir. Aber mein Plan steht eigentlich bereits fest.

Daniela Schwarz - hier 2012 noch im GC-Dress - wird ihre Karriere Ende Jahr beenden . (Archivbild: Peter Ganser)

Daniela Schwarz – hier 2012 noch im GC-Dress – wird ihre Karriere Ende Jahr beenden . (Archivbild: Peter Ganser)

Und der lautet?

Dass ich zurück in die Schweiz kommen werde. Einerseits würde es mich reizen, in Norwegen zu bleiben. Denn das Team, der Club, die Spielweise sind super, es macht Spass und ich fühle mich wohl. Aber ich habe mich bereits letztes Jahr entschieden, zurück in die Schweiz zu gehen. Ich merke, dass die Lust auf Anderes als Fussball immer grösser wird. Ich spiele nun fast 15 Jahre professionell Fussball. Wenn sich die Prioritäten nun zu ändern beginnen, dann ist das für mich ein Zeichen, dass es an der Zeit ist, aufzuhören.

Das heisst, Sie werden nach Ihrer Rückkehr die Karriere in der Schweiz nicht fortsetzen?

Ja, es deutet viel darauf hin, dass ich Ende Jahr ganz aufhören werde. Wenn ich noch Fussball spielen würde, möchte ich es richtig machen. Ich stehe zwar mit den Verantwortlichen von GC in Kontakt. Aber in der Schweiz müsste ich wieder mehr arbeiten und hätte noch später am Abend Training. Also hätte ich praktisch keine Freizeit mehr unter der Woche. Ich bezweifle, dass ich da noch genug Motivation dazu hätte.

Dann sei die letzte Frage erlaubt: sind Sie zufrieden mit Ihrer Karriere?

Ja, ich würde alles nochmals genau gleich machen. Der einzige Wermutstropfen ist der fehlende Schweizer Meistertitel. Mit GC/Schwerzenbach habe ich zwei Mal den Cup gewonnen (2003 und 2008, d. Red.) und in den USA die College-Liga. Aber sonst bin ich mega happy wie alles gelaufen ist. Alle Träume konnte ich mir erfüllen. Da zählt für mich nicht nur der Erfolg, sondern auch, dass ich mich immer wohl gefühlt habe, mich von jeder Verletzung zurückgekämpft habe und bis auf das Nationalteam immer Stammspielerin war.


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