Veröffentlicht am: Di, 12. März, 2013

Fabienne Bangerter: Eine Draufgängerin im positiven Sinne

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Zuweilen wird im Sport von steilen Karrieren gesprochen. Steil, weil eine Athletin sehr schnell sehr erfolgreich und somit in aller Munde ist. Oder auch umgekehrt, weil sie sich kontinuierlich nach oben gearbeitet hat und damit Durchhaltewillen beweist. Letzteres trifft auf Fabienne Bangerter zu. Denn in der Saison 2007/2008 spielte die Aargauerin noch in der 2. Liga für den FC Aarau – Kategorie Breiten- und Feierabendsport. Fünf Jahre später ist die Welt der Stürmerin eine ganz andere. Auf Clubebene geht sie erfolgreich für die FC Basel Frauen in der NLA auf Torejagd. So erfolgreich nämlich, dass sie sich ein Nati-Aufgebot verdiente. Die 21-Jährige ist nun beim Cyprus-Cup zum ersten Mal im Kreis des Nationalteams mit dabei und erzählte dem Frauenfussball Magazin am Telefon von ihren bisherigen Eindrücken in Larnaca und Nicosia.

Nach dem Zusammenzug mit dem Nationalteam geht es für Fabienne Bangerter (r.) am Samstag gegen YB wieder um wichtige Punkte in der Meisterschaft. (Archivbild: Uwe Zinke, sportives.ch)

Nach dem Zusammenzug mit dem Nationalteam geht es für Fabienne Bangerter (r.) am Samstag gegen YB wieder um wichtige Punkte in der Meisterschaft. (Archivbild: Uwe Zinke, sportives.ch)

 

Fabienne Bangerter war in der 72. Minute beim Spiel gegen Holland am Einlaufen, als Martina Voss-Tecklenburg ihren Namen rief. „Bis zu diesem Moment ging es mir gut“, erzählt sie. „Ich rechnete ehrlich gesagt nicht mit einem Einsatz und war umso erstaunter, als die Trainerin mich zu sich rief.“ Kurz bevor es im rot-weissen Trikot das erste Mal ernst galt, sei sie für einen kurzen Moment völlig nervös gewesen, gibt sie zu. Dies zeigte sich vor allem darin, dass sie vergass, ihr Trikot anzuziehen. Statt mit der Nummer 23 auf dem Rücken wollte sie im Einlaufleibchen auf das Feld. „Lara Keller hat es zum Glück gemerkt und mich darauf aufmerksam gemacht“, erzählt sie lachend. Mit dem richtigen Trikot wurde sie in der 75. Minute für Nicole Remund eingewechselt. „Ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Auf dem Feld ging es mir wieder gut, die Nervosität war wie weggeblasen.“ Die letzte Viertelstunde stürmte sie an der Seite von Lara Dickenmann das erste Mal für das A-Nationalteam.

Unter den Fittichen von Martina Moser

Nervös wäre Fabienne Bangerter eigentlich auch am vergangenen Montagmorgen gewesen. Doch die sehr frühe Besammlungszeit (05:40 Uhr) am Flughafen kam ihr entgegen: „Ich war noch viel zu müde, um nervös zu sein und um darüber nachzudenken, wie es wohl sein wird“, erinnert sie sich. In den Beinen spürte sie noch den Cup-Match gegen Malters, den sie mit den FCB-Frauen am Sonntag bestritt und gewann. Gleich danach begab sie sich nach Kloten ins Hotel, wo ihr Clubkollegin Jennifer Oehrli die letzten Verhaltenstipps mit auf den Weg gab. Besonders in Bezug auf ihre Zimmerkollegin Martina Moser, denn: „Sie ist ganz klar die Ordentliche, ich der Chaot. Deshalb ergänzen wir uns eigentlich ganz gut“, beschreibt Bangerter die Zimmer-Lage und lacht. Doch sie sei sehr froh, jemand routiniertes wie Moser an ihrer Seite zu wissen. Die langjährige Nationalspielerin räumt dem Neuling zwar hie und da noch die Sachen hinterher, hilft ihr aber gleichzeitig, sich gut ins Team zu integrieren. „Ich wurde von allen sehr gut aufgenommen, das erleichtert vieles“, so Bangerter, die ihre Rolle als Neuling zurückhaltend interpretiert.

Seit Fabienne Bangerter (r.) in der NLA spielt, musste sie sich noch mehr Durchsetzungsvermögen aneignen. (Archivbild: Uwe Zinke/sportives.ch)

Seit Fabienne Bangerter (r.) in der NLA spielt, musste sie sich noch mehr Durchsetzungsvermögen aneignen. (Archivbild: Uwe Zinke/sportives.ch)

Als das Nationalteam noch kein Thema war

Kennt man die Aaraguerin von ihren Einsätzen mit den FCB-Frauen, so ist sie alles andere als das. Die Stürmerin ist eine Kämpferin, eine Draufgängerin im positiven Sinne und absolviert stets ein grosses Laufpensum. „Seit ich in Basel spiele konnte ich mein Durchsetzungsvermögen nochmals verbessern. Denn das Niveau in der 2. oder in der 1. Liga ist natürlich ganz anders als im Spitzenfussball“, so Bangerter. Ihr Weg in die NLA erachtet sie nicht so, als dass sie einen Umweg gegangen sei. Von den Aarauer Juniorinnen wechselte die damals 16-Jährige ins Frauenteam und spielte unter Beat Naldi in der 2. Liga. Aaraus Geschichte ist bekannt: Unter Naldi stieg das Team praktisch nahtlos bis in die NLB auf und hat nun beste Aussichten, diese Saison in die NLA aufzusteigen. „Mein Weg in Aarau war sicherlich kein Schritt zurück. Bei Beat Naldi konnte ich sehr viel lernen, das war der ausschlaggebende Punkt. Zudem konnte ich die Sport-Kantonsschule besuchen, womit ich Schule und Sport sehr gut kombinieren konnte. Ohne das würde ich vielleicht heute noch im Breitensport meine Tore schiessen“, erklärt Bangerter. Nach zehn fussballerischen Lernjahren wechselte sie im Sommer 2011 zum grossen FC Basel, spielte ein Jahr unter Susanne Gubler und nun wieder unter Beat Naldi. „Ich brauchte einen Tapetenwechsel, eine neue sportliche Herausforderung“, sagt sie. In Aarau war das Thema Nationalteam für die Stürmerin sehr weit weg: „In der NLB bekommt man kein Nati-Aufgebot. Seit ich beim FCB bin, wurde dieser Traum kontinuierlich grösser. Aber ich wusste immer, dass ich hart dafür arbeiten muss.“

Schon länger unter Beobachtung

Dass sie dies tut, ist auch Martina Voss-Tecklenburg nicht entgangen. Die Nationaltrainerin hatte sie schon länger unter Beobachtung. Da Bangerters Teamkollegin Chantal Fimian immer noch rekonvaleszent ist und die Reise nach Zypern nicht mitmachen konnte, rückte Bangerter für die Solothurnerin nach. „Frau Voss hat mich nach einem Training angerufen und mir die freudige Nachricht mitgeteilt. Ich habe das nicht erwartet, denn Fimi ist eine Wundertüte und ich rechnete deshalb damit, dass sie schnell wieder fit sein und nach Zypern reisen wird“, sagt sie. Falsch gedacht. Dafür war die Freude umso grösser und die vielen positiven Reaktionen von Teamkolleginnen, Freunden und Familie nicht mehr als angebracht. Die Freude über das Aufgebot teilte auch ihr Trainer Beat Naldi, hob aber richtigerweise auch noch den Mahnfinger: Sie müsse bedenken, dass sie auch in der Schule mitkommen müsse. Der Berufsschullehrer möchte denn auch nur das Beste für seine Spielerin. Und das ist, dass Fabienne Bangerter im Mai die Maturaprüfungen besteht. „Bis jetzt geht alles auf, aber es ist schon streng, das gebe ich zu. Ein Schoggileben führe ich bestimmt nicht.“ Die 21-Jährige ist sich noch nicht ganz sicher, was sie nachher machen wird. Im Moment scheinen ein Jura-Studium oder die Ausbildung zur Physiotherapeutin wahrscheinlich zu sein. Bevor sie das jedoch entscheiden muss, steht morgen mit dem Nationalteam der kleine Final gegen Neuseeland an und am Samstag geht es in der heimischen Meisterschaft gegen die Young Boys wieder um wichtige Punkte.


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