Veröffentlicht am: So, 04. September, 2011

Noelle Maritz: Von Amerika zum FCZ

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Noelle Maritz aus Erlen/TG ist mit ihren erst fünfzehn Jahren schon weit herum gekommen. Begonnen Fussball zu spielen hat sie in den USA. Zurück in der Schweiz pendelte sie die vergangenen drei Jahre vom Thurgau in die Credit Suisse Academy nach Huttwil und seit dieser Saison nun nach Zürich. Sie ist die jüngste Spielerin im Kader der 1. Mannschaft der FC Zürich Frauen.

Bereits im zarten Alter von vier Jahren drehte sich bei Noelle Maritz alles um das runde Leder: „Meine Familie und ich wohnten in den USA, dort war Fussball bereits damals sehr populär und ich war einfach begeistert von dieser Sportart. Alle meine Kolleginnen gingen zum Fussballclub und so ging ich anfangs einfach mit“, blickt sie auf ihre Zeit in den Vereinigten Staaten zurück. Mit acht Jahren wechselte sie bereits in den Leistungssport zum „PDA (Players Developement Academy) Soccer Club“ im US-Bundesstaat New Jersey. Aus diesem Verein gingen US-Nationalspielerinnen wie Heather O’Reilly oder Tobin Heath hervor. Nebst dem Fussballtraining besuchte sie während zwei Jahren zudem das Baseballtraining. „In den USA ist es normal, dass man mehrere Sportarten ausübt. Baseball hat mir aber nicht wirklich gefallen, es war mir schlichtweg zu statisch.“ Als Noelle Maritz zehn Jahre alt war, zogen sie und ihre Familie zurück in die Schweiz. Sie wechselte zum FC Amriswil und 2007 zum FC Staad. Nach nur einer Saison schloss sie sich dann dem FC Wil an, wo sie zusammen mit Jungs in der U13, U14 sowie U15 spielte.

Mit der U17-Nationalmannschaft im Einsatz: Noelle Maritz (Bild: Chris Blattmann)

Wechsel zum FC Zürich Frauen

Nach der letzten Saison mit der U15 von Wil wollte Noelle Maritz den Schritt in den Frauenfussball wagen. Sie absolvierte bei mehreren Nationalliga A Vereinen Probetrainings. Aber nirgends war das Gesamtpaket so gut wie beim FC Zürich Frauen. „Beim FCZ kann ich bei einem Schweizer Top Verein spielen und profitiere zudem von den zusätzlichen Morgentrainings in der Sportschule Bürglen.“ Ganz aufgehört, zusammen mit Jungs zu spielen, hat sie in dem Fall nicht. Denn in Bürglen trainiert sie zusammen mit Junioren. Die Sportschule Bürglen arbeitet bei der Spielerausbildung mit dem FCZ zusammen. Da Noelle Maritz nur zwei Gemeinden von Bürglen entfernt wohnt, ist das ideal. Bei den Frauen des FCZ wurde sie trotz ihres noch jungen Alters gut aufgenommen. Mit Riana Fischer und Karin Bernet kennt Noelle Maritz bereits zwei Teamkolleginnen aus vergangenen Zeiten in der U17 Nationalmannschaft. „Aber auch die älteren und erfahrenen Spielerinnen haben mich sofort gut aufgenommen und ins Team eingeschlossen“, betont sie. Sie traue es sich zu, die Chance in der Nationalliga A zu packen. „Der FCZ bietet mir eine grossartige Chance, den Eintritt in den Frauen Spitzenfussball zu schaffen. Diese will ich unbedingt nutzen“, sagt die 15-jährige selbstbewusst. Sie könne beim FCZ von den guten Trainern und Mitspielerinnen noch viel profitieren, so Maritz. Ein Vorteil ist es sicherlich, dass die Nachwuchshoffnung so lange zusammen mit Junioren gespielt hat. „Ich profitierte vor allem dabei, dass ich das hohe Tempo mithielt und auch in Zweikämpfen durchzusetzen lernte. Hinzu kam, dass ich immer sehr gute Trainer hatte, welche mich weiter brachten“, unterstreicht sie die Vorteile der vergangenen Jahre.

Unter ihrem aktuellen Trainer Dorjee Tsawa sowie auch in der U17 Nationalmannschaft spielt Noelle Maritz auf der Position der Aussenverteidigerin. Im vierten  Meisterschafsspiel gegen den Meister Young Boys spielte sie bereits 90 Minuten durch. Im Vergleich zur U15 muss sich Noelle Maritz vor allem noch an ein anderes Spielsystem gewöhnen, sowie auch an die Verständigung mit ihren Mitspielerinnen auf dem Platz. Dass sie bereits von Beginn weg aufläuft, hat aber nichts damit zu tun, dass sie im Team auch mal die Rolle der „Wasserträgerin“ übernimmt: „Es gehört dazu, dass die jüngsten Spielerinnen beispielsweise das Trainingsmaterial vorbereiten und auch wieder wegräumen“, sagt sie ohne mit der Wimper zu zucken.

Drei Jahre in Huttwil

Ihr heutiger Trainingsablauf ähnelt demjenigenin der Credit Suisse Football Academy, wo sie die letzten drei Jahre war. Noelle Maritz hat immer noch sieben Trainingseinheiten pro Woche, hinzu kommt das Spiel am Wochenende. Die Zeit in Huttwil erlebte sie sehr positiv: „Natürlich war es ganz zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Ich war erst zwölf Jahre alt und musste bereits mein Zuhause verlassen. Aber ich habe mich schnell an den hohen Rhythmus gewöhnt und eine wirklich gute Zeit erlebt“, resümiert sie und sagt weiter: „Ich glaube, ich bin in diesen drei Jahren Huttwil selbständiger geworden und habe auch viele gute Erfahrungen gemacht.“ Dass die Trainings und das Leben in Huttwil streng waren, verneint Noelle keineswegs. Doch mit diesem vollen Tagesprogramm sei die Zeit immer sehr schnell vergangen: „Mit der Zeit wird dies normal und man gewöhnt sich daran“.
Ihre Stärken und Schwächen würde sie lieber von anderen beurteilt bekommen. Trotzdem fügt sie an, dass ihre Stärken – so glaube sie zumindest – in der Schnelligkeit sowie in der Zweikampfstärke liegen. Aber das Torschusstraining mache ihr ohnehin am meisten Spass.

 

Ausbildung und Sport vereinen
Vor wenigen Wochen hat das Nachwuchstalent ihre KV Ausbildung an der United School of Sports in St. Gallen begonnen. Nach dem Abschluss möchte Noelle Maritz gerne ein paar Jahre im Profifussball tätig sein und später die Arbeit und den Sport vereinen können, wie sie sagt. Sie verbringt nicht nur viel Zeit auf dem Fussballplatz, sondern sitzt auch viel im Zug und pendelt zwischen den verschiedenen Standorten: „Normalerweise besuche ich um 07:30 Uhr das Morgentraining in der Sportschule Bürglen. Danach fahre ich mit dem Zug nach St. Gallen in die Schule. Am Nachmittag reise ich dann jeweils ins Training. Die Hausaufgaben erledige ich dazwischen.“ Am Abend verbringe sie dann die Zeit zuhause bei ihrer Familie. Ein strenges Programm für eine 15-jährige, doch Noelle Maritz wiegelt ab: „Das Pendeln macht mir weniger aus als früher noch. Ich war es ja bereits gewohnt aus meiner Zeit in Huttwil und ausserdem habe ich das GA, das vereinfacht vieles.

Stammspielerin in der U17

Seit knapp einem Jahr ist Noelle Maritz im Kader der U17 Nationalmannschaft und nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Im Oktober nimmt sie mit dem Team zum zweiten Mal an der EM-Qualifikation teil und hofft, dass es nun endlich klappt: „Das Ausscheiden vor heimischem Publikum im April dieses Jahres war schon eine Enttäuschung. Umso mehr will ich diese zweite Chance nun nutzen“, gibt sie sich selbstbewusst. Dass sie im rot-weissen Dress auflaufen darf, macht die Nachwuchsspielerin mächtig stolz: „Es ist jedes Mal ein sehr gutes Gefühl, das Aufgebot zu erhalten“, strahlt sie. In einem Testspiel im August besiegte die U17 Nationalmannschaft die U16 Auswahl von Deutschland. Nach einem 0:2 Rückstand drehten die Mädels das Spiel und gewannen sensationell mit 3:2. Noelle Maritz erinnert sich gerne zurück: „Es war ein tolles Gefühl, Deutschland zu schlagen.“

Um den Meistertitel spielen

Trotz ihres noch jungen Alters weiss Noelle Maritz bereits ganz genau, was sie will. In naher Zukunft möchte sie mit dem FC Zürich Frauen um den Meistertitel mitspielen. Bestenfalls soll dies mit vielen persönlichen Einsätzen und Siegen geschehen. Die fernere Zukunft sieht sie ein wenig pragmatischer: „Im Moment läuft eigentlich alles ganz gut und ich hoffe, dass ich von Verletzungen weiterhin verschont bleiben werden.“ Sie stehe ja noch ganz am Anfang ihrer Karriere, sei zudem zufrieden, so wie es bisher gelaufen sei. Als Vorbilder nennt die Nachwuchsspielerin die Deutsche Lira Bajramai sowie die US-Legende Mia Hamm. „Beide gefallen mir als Spielerinnen sowie auch als Persönlichkeiten“, wie sie sagt. Noelle Maritz wandelt nun seit diesem Sommer definitiv in den Spuren dieser Superstars, wird aber weiterhin ihren eigenen Weg gehen. Dieser wird noch weit sein, aber wenn sie so weitermacht, mit Bestimmtheit auch erfolgreich sein.


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