Veröffentlicht am: Mo, 02. August, 2010

Katrin Glarner: Immer auf Achse

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Oft scheint es, als hätten die Tage für Katrin Glarner zu wenig Stunden. In Meiringen wohnt sie (noch bei den Eltern), in Interlaken arbeitet sie (als auszubildende Kauffrau), in Thun spielt sie Fussball (beim NLA-Team FC Thun). Daher ist die 18-Jährige beinahe jeden Tag, fast rund um die Uhr unterwegs.

Gerade wurde sie 18 Jahre alt. Manche Spielerin träumt in diesem Alter von der grossen KarDie Familie Glarner gehört wohl zu den sportlichsten Familien Im Kanton Bern, zumindest aber im Berner Oberland: Vater Dres spielte früher beim SV Meiringen in der 3. Liga, ehe er sich der Nachwuchsförderung beim SVM widmete; Mutter Heidi gehörte in der Jugendzeit der NLB-Mannschaft von Rot-Schwarz Thun an; der älteste Sohn Matthias ist eidgenössischer Kranzschwinger; Stefan spielt in der ersten Mannschaft des FC Thun in der Super League und Tochter Katrin ist Stammverteidigerin beim NLA-Team FC Thun. Für Matthias steht der Saisonhöhepunkt noch bevor: das „Eidgenössische“ im August in Frauenfeld, wo er zu den besten Bernern zählt. Bruder Stefan hat diesen bereits hinter sich: als eine der Stützen im Team von Murat Yakin schaffte er mit den Thunern den Aufstieg in die Axpo Super League.

Aber auch Katrin blickt auf eine gelungene Saison zurück. Die Thunerinnen, eines der jüngsten Teams in der höchsten Frauenliga, konnten sich trotz viel Ungemach in der höchsten Spieklasse halten. „Nach dem Wegzug von der Topskorerin Ana-Maria Crnogorcevic nach Deutschland zum HSV war bei uns eine gewisse Verunsicherung zu spüren“, sagt Katrin Glarner. „Auch deshalb, weil Trainer Jean-Luc Teyssier, der zuvor ausgezeichnete Arbeit leistete, uns per sofort verlassen hatte“. Sein Nachfolger Stefan del Vecchio „regierte“ nur wenige Monate, ehe er auf die Rückrunde hin durch Patrick Knuchel ersetzt wurde. Nicht nur die Trainerrochaden haben sich negativ ausgewirkt, auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Kristina Sundov (Kreuzbandriss) und Nora Häuptle (Fussoperation) waren für die Thunerinnen nur schwer zu kompensieren.

Katrin, eine Frohnatur

„Seit meinem 4. Lebensjahr (!) spiele ich Fussball“, sagt Katrin. Bei einer derartigen fussballbegeisterten Familie lag es nahe, dass auch sie grossen Spass am Spiel mit dem runden Leder hatte und daher vom Virus Fussball angesteckt wurde. Übrigens: auch Matthias spielte zu jener Zeit noch als Torhüter beim SVM, ehe er sich später dem Schwingsport zuwandte. Katrin hingegen kämpfte sich zielbewusst nach oben. Von Meiringen wechselte sie zu Rot-Schwarz Thun (heute FC Thun), wo sie als jüngste Spielerin auf sich aufmerksam machte. 2008 stand sie mit den Thunerinnen im Cuphalbfinal. Unglücklich war die 3:4-Niederlage damals gegen die späteren Cupsiegerinnen aus Schwerzenbach (heute Grasshoppers) zustande gekommen.

Katrin Glarner im Einsatz gegen den FC Basel (Bild: Othmar Wyss)

Ein Jahr später folgte für Katrin Glarner die ersten ganz grossen Momente in der noch jungen Karriere. Sie wurde in die Schweizer U17-Auswahl berufen und feierte gegen Italien einen vielbeachteten Einstand (0:0). Im gleichen Jahr schaffte das Teyssier-Team von Rot-Schwarz den Einzug in den Cupfinal gegen Schlieren. „Für mich in zweifacher Hinsicht ein unvergessliches Erlebnis: erstens, weil ich nicht damit rechnen durfte, in der Startformation zu stehen; und zweitens, weil wir den Cupsieg feiern durften.“ Katrins Augen glänzen, wenn sie von diesem Final spricht. „Unsere Leistung damals war grossartig“, sagt sie. Wer diesen Match live verfolgt hatte, muss sich ihrem Urteil anschliessen. Schlieren hatte gegen die entfesselt aufspielenden Rot-Schwarz-Frauen keine Chance. 8:0 hiess es am Ende nach diesem denkwürdigen Final.

Dass im Leben aber nicht immer alles wunschgemäss verläuft, musste auch Katrin erfahren. Nach der Schulzeit begann sie mit dem „Gymer“. Die Belastung wurde für die junge Meiringerin aber zu gross: Gymnasium, vier- bis fünfmal Trainings und Spiele mit dem FC Thun, danaben die Aufgebote für die U17-Auswahl. All dies brachte sie nicht mehr unter einen Hut. Sie gab den „Gymer“ auf und begann später die Lehre zur Kauffrau beim Betreibungsamt Interlaken. Gleichzeitig wurde ihr vom Lehrnetrieb nahegelegt, während der dreijährigen Lehre den Rücktritt aus der nationalen U19-Auswahl zu geben. Sie befolgter den Rat, was für den damaligen Auswahl-Trainer Yannick Schwery ein schwerer Schlag bedeutete.

Traumberuf

Was den Fussball anbelangt, setzt sich Katrin im Moment nicht unter Druck. Primär will sie auch in der nächsten Saison ihren Stammplatz beim FC Thun verteidigen. „Weil es für die Frauen in der Schweiz kaum möglich ist, den Fussball zum Beruf zu machen und damit den Lebensunterhalt zu verdienen, plane ich nicht mit einer Profikarriere. Dafür setze ich mir hohe Ziele im Beruf“, so Glarner. Nach Abschluss der dreijährigen Lehrzeit auf dem Betreibungsamt, wo es Katrin übrigens ausgezeichnet gefällt, will sie gleich anschliessend die Berufsmittelschule (BMS) nachholen. Danach träumt sie von einem Sprachaufenthalt in den USA (eventuell verbunden mit dem Wunsch, in einem amerikanischen Frauenfussballteam zu spielen). Nur eines ist für die selbstbewusste Katrin Glarner heute schon klar: „Später will ich Kindergarten-Lehrerin werden“.


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